Agiles Projektmanagement, agiles arbeiten im Handwerk und eine SCRUM Scheune mit Christian Böhler

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Endlich wieder unterwegs! Christoph Haffner hat Christian Böhler zum Podcasten in Mecklenburg-Vorpommern besucht.

Agiles Projektmanagement

Christian führt aus, dass in der Baubranche die meisten Bauvorhaben heutzutage immer noch klassisch strukturiert sind. Das bedeutet, das vor Beginn eines Bauvorhabens ein Projekt aufgesetzt wird, das dann klar durchstrukturiert und nach einem festen Zeitplan geplant ist. Diese Projekte funktionieren aber in der Regel nicht gut, da durch diese feste Eingrenzungen nur schlecht auf spontane Veränderungen beispielsweise in der Politik reagiert werden kann. Christian bemängelt, dass diese Bauprojekte mit der Zeit meistens aus dem Ruder laufen, der Kostenrahmen gesprengt wird und das Projekt nicht mehr gut aufeinander aufbaut.

Dies rührt daher, dass das „klassische“ Projektmanagement starren Strukturen folgt und kein iteratives Vorgehen stattfindet. Hier kam Christian im eigenen Projekt an seine Grenzen – weil er feststellte, dass er zwar gute Pläne macht, diese aber nicht umgesetzt werden bzw. nicht werden können. Christian sah darin die Notwendigkeit, auch in der Baubranche das agile Projektmanagement zu fördern und zu etablieren, da viele Dinge während eines Projektes eben nicht immer planbar und vorhersehbar sind, sondern man „agil“ auf Veränderungen reagieren muss. Dies ist allerdings eine sehr große Herausforderung, da vor allem in der Baubranche so ein Umdenken beim Kunden wie auch bei den Mitarbeitern bzw. Handwerkern noch nicht angekommen ist.

Agiles Arbeiten im Handwerk

Beim Bauprojektmanagement gibt es allerdings auch bestimmte Bauten, die immer gleich sind und nach einem bestimmten Schema verlaufen, wie beispielsweise eine Reihenhaussiedlung. Hier muss zwar auch je nach Gesetzesänderung etwas nachjustiert werden, aber im Wesentlichen findet hier immer ein gleicher Prozessablauf statt. Hier lässt sich leicht festlegen, welche Schritte wann getätigt werden und die Umsetzung folgt klar nach dem Wasserfallprinzip. Daneben gibt es aber auch Bauvorhaben, wie beispielsweise ein Umbau eines unter Denkmalschutz stehendes Gebäude, bei dem sich eben keine klare Abfolge von Prozessen aufstellen lässt.

Und genau hier setzt das agile Projektmanagement in der Baubranche an. Denn hier ist es wichtig, sich zwar ein übergeordnetes Ziel zu setzen, aber während dem Bauvorhaben geht man in iterativen Schritten vor. Es gibt während dessen viele Parameter, die man immer wieder anpassen und Zwischenergebnisse überprüfen muss. Das macht für Christian das agile Arbeiten aus. Ein weiterer Schritt wäre weiterhin, crossfunktionale Teams aufzustellen, sodass der Sanitäter sich beispielsweise auch mit dem Elektriker abspricht. Dies würden die teilweise wochenlangen Verzögerungen verhindern, die aufgrund mangelnder Terminabstimmungen entstehen.

Christian sieht demnach heutzutage noch keine Offenheit für Agilität im Handwerk, obwohl dies seiner Ansicht nach auf fruchtbaren Boden fallen würde. Aber das Handwerk ist noch nicht so weit, da es hier noch keinen Mindsetshift gab. Vor allem die innere Geisteshaltung ist hier der Schlüssel. Wen keinen Mut hat, etwas Neues auszuprobieren und offen für Veränderung ist, der wird auch eine solche Arbeitsweise wie Agilität nicht akzeptieren. Dann wird sich im Handwerk auch nichts ändern und kein Umdenken stattfinden. (Liegt meiner Meinung aber sicher auch am mangelnden Problembewusstsein und Handlungsdruck bzgl. Agilität).

Co-Working Space – SCRUM Scheune und Wohnhaus

Christian hat sich mit seiner Frau in Mecklenburg-Vorpommern ein Wohnhaus gekauft. Voraussetzung war für ihn eine gute Breitbandverbindung. So kam eine Idee zur anderen und die Scheune wurde einerseits zum Wohnzimmer, andererseits zum Veranstaltungsort ausgebaut. Hier bietet er heute agile Trainings u.a. für Führungskräfte an. Dafür hat er bisher nur gutes Feedback geerntet, da die Menschen aus der Stadt heraus und im Grünen auf andere Gedanken kamen. Christian beschreibt, dass dieses Wohnzimmer bzw. Seminarraum so gestaltet ist, dass er viel Raum für Kreativität zulässt. Zudem findet ein Denkwechsel oftmals auch einfach in einer anderen Umgebung statt und nicht in einem starren Seminargebäude in der Stadt. Hier hat man vor allem viel Ruhe und ist durch die große Terrasse hinter dem Gebäude auch gleich in der Natur. Dies sind für Christian schöne Voraussetzungen, ein Training durchzuführen.

Lern-Tipps, -Hacks und Narrative von Christian

In Bezug auf Christians Bauprojekt war seine Lernkurve zwar sehr steil, aber daher auch oftmals sehr hart. Der Lernanlass war hier nicht immer angenehm. Er benötigte oftmals Wissen, wo man manchmal gar nicht weiß, wie & wo man anfängt oder wie man überhaupt an das Wissen gelangt. Beispielsweise wenn es um die Zusammensetzung von Beton geht. Das waren für Christian Herausforderungen, die nicht nur mit Freude am Lernen verbunden waren.

Er kommt für sich zu dem Schluss, dass desto komfortabler eine Lernsituation ist, desto weniger lernt man. Je schneller man dagegen Wissen in der Situation benötigt, desto schneller ist der Lernzuwachs. Dies macht das Lernen manchmal sehr hart.

Training vs. Lernen

Wir lernen besser und schneller durch Überraschungen und weniger durch Wiederholungen. Wenn sich eine Situation auftut, die vorher noch nicht da gewesen ist findet ein Überraschungslernen statt, was einen viel größeren Lerneffekt hat, als lediglich ein stupides Wiederholen einer Sache. So kommt Christian auch zu dem Schluss, dass er am besten lernt, wenn er einen Anlass dafür hat.

Ausführlich findet ihr natürlich alles im Podcast. Ich fand es eine sehr plastische Geschichte und daher sehr kurzweilig. Das Thema Handwerk taugt sicher auch als gute Metapher für ganz andere Bereiche.

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