Gamification – Ansätze aus der Verhaltenspsychologie und Verhaltensökonomie mit Roman Rackwitz

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Nachdem wir uns in Folge 175 nochmal ganz allgemein mit dem Thema Gamification und Motivationsdesign beschäftigt haben, kommt hier die vertiefte Diskussion mit Roman Rackwitz, Founder und Partner Engaginglab und 2/5Studio.

State of the Union – Wo stehen wir mit Gamification?

Seit 2012 wurde Gamification vermehrt etabliert, der Hype um das Thema ist jedoch abgeflacht. Seit den letzten drei Jahren hat das Thema an Stabilität gewonnen und damit einhergehend die Akzeptanz der Verhaltenspsychologie in Unternehmen.

Besonders Serious Games sind Tools, die häufig eingesetzt werden, um das Lernen für Mitarbeiter attraktiver zu gestalten. Hierzu führt Roman aus, dass es kaum ein anderes Element gibt, das so wichtig ist für Freude im Spiel, wie das Lernen. Und Freude im Spiel entsteht vor allem, wenn das Spiel herausfordernd ist. Denn es gibt kein Spiel das leichter wird, sondern die Konsequenz eines abgeschlossenen Levels ist immer, dass es im nächsten schwieriger wird. Ein Spiel ist nichts anderes wie der Versuch, freiwillig Hindernisse zu überwinden und den Reiz zu verspüren, besser werden zu wollen. Roman geht hier auch auf die menschliche Evolution ein und führt aus, dass der Drang nach Lernen neurologisch begründbar ist, da das Gehirn darauf ausgerichtet ist immer weiter zu lernen. Auf Gamification bezogen bedeutet dies, dass je schwieriger ein Level wird und es gemeistert wird, als desto besser empfindet der Mensch das Spiel. Roman unterstreicht aber, dass der Erfolg des Spiels in dem Erfolgsmoment begründet ist und das Lernen eines Stoffs nicht unmittelbar attraktiver wird, je “schöner“ ein Learning vom Design her gestaltet ist.

Self Determination Theory (Selbstbestimmungs Theorie)

Roman sieht als Grundlage für Gamification die Self Determination Theory. Diese wurde bereits vor 40 Jahren entwickelt, wird bis heute immer wieder neu überprüft und ist im Management Bereich anerkannt. Die Theorie ist vor allem durch die intrinsische Motivation der Menschen begründet. Roman bemängelt allerdings, dass genau dieser Kern, dass wenn man von einem Menschen ein gewisses Verhalten hervorrufen sowie eine kognitive Leistung haben möchte und dies nur über intrinsische Motivation erfolgt, in der Praxis nicht umgesetzt wird. In Unternehmen wird im realen Alltag lediglich auf extrinsische Motivatoren zurückgegriffen (Bonuszahlungen, zusätzliche Urlaubstage etc.).

Flow

Die Flow Theorie ist komplementär zu Self-Determination Theory und sagt aus, dass der Mensch intrinsisch motiviert ist, wenn die Herausforderungen seine Fähigkeiten „matcht“. Das bedeutet, wenn eine intrinsische Motivation besteht, gelangt der Mensch in einen Zustand des Flows. Je schwerer ein Level in einem Spiel wird und man gleichzeitig besser darin wird, desto mehr Motivation und Neugierde entsteht. Roman unterstreicht hier, dass ein Level einerseits nicht zu leicht sein darf, damit es nicht zu unanspruchsvoll ist und andererseits auch nicht zu schwer, da sonst Frustration einsetzt. Im Allgemeinen ist die Natur des Menschen aber so ausgerichtet, dass man immer wieder neue Herausforderungen sucht und sich selbst challengen will.

Dies passt für Roman nicht mit der Entwicklung der heutigen Arbeitswelt zusammen. Denn Jobs werden immer leichter und langweiliger gestaltet und Job-Profile werden immer vorhersagbarer. Das Ziel der Unternehmen dabei ist es, aus Effizienzgründen Ressourcen zu sparen und Fehler zu vermeiden. Allerdings passt diese Entwicklung nicht zum Mindset des Menschen. Nach Roman entwickelt sich hier ein Zwiespalt. Denn wenn alles immer effizienter und gradliniger gestaltet wird, werden nach Roman Entwicklungen gegen die Natur des Menschen gesteuert.

Relevanz beim Lernen

Roman legt sehr viel Wert auf die Relevanz von Lerninhalten. Leider flachen heutzutage die Ansprüche immer weiter ab und Lernumgebungen werden immer einfacher gestaltet. Allerdings ist es das Bestreben des Menschen, selbst herauszufinden, wie etwas funktioniert. Denn das Selbstexperiment gibt dem Menschen ein Autonomiegefühl und genau dieses Gefühl hat eine sehr wichtige Wirkung, wenn es um das Lernen geht.

Ein weiter wichtiger Punkt, ist die Relevanz zu erkennen, warum man etwas lernt. Wenn die Relevanz zu Beginn aufgezeigt wird, ist es wahrscheinlicher, dass die Menschen intrinsisch besser lernen und der Erfolg beim Lernen automatisch höher ist.

Verhaltensökonomie

Nudging ist eine Strategie, die zu einer Verhaltensänderung bei Menschen führen soll: Menschen werden dazu bewegt, sich für eine erwünschte Verhaltensweise zu entscheiden, ohne dass dazu Zwang ausgeübt wird. Beim Nudging gibt es allgemein zwei verschiedene Herangehensweisen. Die eine legt dar, dass man ein Resultat im Kopf hat und es nicht so wichtig ist, wie man dort hinkommt, sondern dass das Resultat am Ende stimmt (resultatsorientiert). Die zweite Herangehensweise ist, dass der Vorgang der Aktivität mehr Bedeutung zugeschrieben wird (aktivitätsorientiert).

Vor allem Roman als Gamification-Designer unterstreicht, dass es beim Lernen mehr darum geht, dass der Lernende etwas lernt um des Lernens Willens und dass der Spaß dabei nicht zu kurz kommt.

Warum macht Tik Tok so abhängig?

Auf die Frage, warum Tik Tok im Menschen eine Neugierde erweckt, immer weiterzuscrollen, antwortet Roman folgendermaßen: Die Neugierde ist einer der stärksten Emotionen des Menschen. Durch die Schnelllebigkeit der Clips möchte das Gehirn immer wieder neue Wow-Effekte haben. Gleichzeitig werden auf neuronaler Ebene wieder etliche Neurotransmitter ausgeschüttet und Glücksgefühle entstehen beim Menschen. Dieser Kreislauf, dass man immer weiterschauen will, sind die Effekte, die beim Nutzen von TikTok entstehen.

Wo geht die Gamification-Reise hin?

Roman beschreibt, dass der Zukunftstrend noch stärker auf künstliche Umgebungen herabzielt. Allerdings hebt Roman hervor, dass es eine große Herausforderung der Kostenfaktor darstellt. Daher können solche Investitionen oftmals nur von erfolgreichen Unternehmen geleistet werden.

Lern-Tipps, -Hacks und Narrative von Roman

Wenn es um den Prozess des Lernens geht, stellt für Roman Youtube eine optimale Inspirationsquelle dar. Aber auch mit dem Notizbuch arbeitet er gerne, um Modelle oder Systeme zu erstellen und Zusammenhänge aufzuzeigen.

Ausführlich findet ihr natürlich alles im Podcast. Wir freuen uns sehr, wenn Ihr den Podcast abonniert, in sozialen Medien teilt und auf Apple Podcast liked und bewertet!

Shownotes

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Online-Kurs zu Gamification

Fogg Behavoir Model

STD / Selbstbestimmungstheorie

Flow

Hook Modell

Verlustaversion

Progress Principle on HBR

Nudge

Reziprozität

Ted Talks von Rory Sutherland

Website von Vera Birkenbihl